Ihr Kinderwunschzentrum an der Gedächtniskirche

Eizellen einfrieren | Dr. Silke Marr im Interview in familie.de

Die Fertilitätsexpertin Silke Marr im Interview mit Katja Nauck | familie.de

Dr. Silke Marr führt als Reproduktionsmedizinerin künstliche Befruchtungen und Kinderwunschbehandlungen im Kinderwunschzentrum an der Gedächtniskirche in Berlin durch. Regelmäßig berät sie junge Frauen zum Thema Social Freezing und künstliche Befruchtung und beantwortet uns einige Fragen zum Thema Eizellen einfrieren.

Wann ist der beste Zeitpunkt, seine Eizellen einfrieren zu lassen?

Leider nutzen viele Frauen diese Chance erst viel zu spät und wenden sich erst Ende 30, oder noch später an mich. Eine allgemein gültige Altersgrenze kann nicht gegeben werden, aber je jünger eine Frau bei der Eizellentnahme ist, umso mehr Eizellen können gewonnen werden und umso weniger Entnahmen sind dazu notwendig. Optimal wäre eine solche Entscheidung bis zum 30. Lebensjahr, nach dem 35. Lebensjahr sollte anhand der individuellen Voraussetzungen, der Untersuchungsergebnisse und der persönlichen Situation der Patientin abgewogen werden, ob ein Social Freezing noch sinnvoll ist.

Das heißt, ich sollte mich frühzeitig entscheiden, meine Eizellen einfrieren zu lassen?

Ein Mädchen hat zu Beginn der Pubertät noch eine halbe Millionen Eizellen, verliert dann aber jeden Monat ca 1000 Eizellen. Nicht nur die Anzahl, auch die Vitalität der Eizellen nimmt kontinuierlich ab. Diese Kurve verläuft ab dem 35 Lebensjahr noch steiler. Das bedeutet, dass die Eizelle einer 25-jährigen Frau eine mehr als dreifach höhere Chance hat, sich nach der Befruchtung zu einem gesunden Kind zu entwickeln, als die Eizelle einer 40-jährigen Frau. Zusätzlich zum natürlichen Prozess des Älterwerdens kann der Verlust an Eizellen auch durch Infektionen, Erkrankungen oder Operationen an den Eizellen beschleunigt werden.

Haben eingefrorene Eizellen, die nach Jahren aufgetaut werden, dieselbe Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft wie bei einer natürlichen Befruchtung?

Wenn die Eizellen sorgfältig eingefroren wurden, werden sie bei -196°C aufbewahrt und sollten bei gleicher Qualität wieder aufgetaut werden. Die modernen Einfriermethoden lassen da eine große Sicherheit erwarten. Die Befruchtungsrate der Eizellen kann jedoch nur anhand von statistischen Erhebungen geschätzt werden, daher wird auch empfohlen, möglichst 20 Eizellen oder mehr einzufrieren.

Die Zeit der Kryokonservierung scheint hier nicht so von Bedeutung zu sein, jedoch sollte bei den Überlegungen mit einfließen, dass eine Schwangerschaft im höheren Lebensalter (>40 Jahre) mehr Risiken mit sich bringen kann.

Worin liegt für Sie die Chance des Social Freezings für junge Frauen?

Sinn des Social Freezings ist ein Gewinn an Freiheit in der Lebensplanung, schließt aber die natürliche Empfängnis nach dieser Maßnahme ja nicht aus, sollte also eher als Versicherung in die Zukunft gesehen werden.

Das sagt Katja Nauck:
Persönliche Entscheidung

Viele Frauen wissen mit Anfang 20 noch nicht, ob sie Kinder haben wollen oder mit welchem Partner. Ein Kinderwunsch kann sich im Laufe des Lebens sehr verändern. Wieso sollte man dann nicht die Möglichkeit nutzen können, die die moderne Medizin bietet? Das einzige Problem sind für junge Frauen eben dann nur die Kosten und dass man nie eine Garantie hat, dass die spätere Befruchtung auch klappt bzw. eine Schwangerschaft daraus wird. Dabei gilt es viele Faktoren abzuwägen. Doch ich empfinde nichts Verwerfliches dabei, wenn eine junge gesunde Frau sich früh entscheidet, dass sie für die Zukunft ihre gesunden Eizellen bewahren möchte. So manche Frau bereut ihre frühe Antihaltung gegen Kinder mit reiferem Alter und kann dadurch auch später noch unter Umständen Mutter werden. Eine Garantie auf eine Schwangerschaft gibt es sowieso nie.